Wenn Sie heute eine Unternehmenswebsite brauchen, stehen Sie vor einem Problem, das es vor zehn Jahren nicht gab: zu viele Möglichkeiten. Baukasten-Systeme versprechen fertige Seiten in einer Stunde. KI-Generatoren liefern auf Knopfdruck Layouts mit Text und Bildern. WordPress-Templates gibt es zu Tausenden, kostenlos oder für 50 Euro. Und Agenturen bieten individuelle Lösungen an, die das Zehnfache kosten.
Alle diese Wege funktionieren. Keiner davon funktioniert für jeden. Die Schwierigkeit liegt darin, den richtigen Weg für die eigene Situation zu erkennen, bevor Geld und Zeit investiert sind.
Webdesign ist mehr als Gestaltung
Wenn von Webdesign die Rede ist, denken die meisten an Farben, Schriften und Bilder. Das gehört dazu, aber es ist der kleinere Teil. Der größere Teil ist Informationsarchitektur: Wie sind die Inhalte organisiert? Findet ein Besucher in fünf Sekunden, was das Unternehmen anbietet? Weiß er, was er als nächstes tun soll?
Eine schön gestaltete Website, auf der sich Besucher nicht zurechtfinden, verliert Kunden. Eine schlicht gestaltete Website mit klarer Struktur gewinnt sie. Gutes Webdesign beginnt deshalb mit der Frage, was die Seite leisten soll, und arbeitet sich von dort zur Gestaltung vor.
Für Ihre Entscheidung bedeutet das: Bevor Sie sich mit Vorlagen und Designs beschäftigen, sollten Sie wissen, welche Aufgabe die Website in Ihrem Unternehmen übernehmen soll. Die Wahl des Werkzeugs kommt danach.
Fünf Wege zur Unternehmenswebsite
Der Markt für Website-Erstellung lässt sich auf fünf Grundoptionen herunterbrechen. Jede hat ihre Stärken, ihre Grenzen und eine Zielgruppe, für die sie am besten passt.
Baukasten-Systeme
Anbieter wie Wix oder Squarespace stellen fertige Vorlagen bereit, die sich per Drag-and-Drop anpassen lassen. Design, Hosting und Technik kommen aus einer Hand. Programmierkenntnisse sind nicht nötig.
Baukästen eignen sich für Selbstständige und Kleinstunternehmen, die eine einfache Online-Präsenz brauchen: eine Seite, die sagt, wer man ist, was man macht und wie man erreichbar ist. Die laufenden Kosten liegen bei 200 bis 500 Euro im Jahr.
Die Grenze zeigt sich, sobald individuelle Anforderungen hinzukommen. Eine andere Navigation, ein angepasster Seitenaufbau, eine Einbindung externer Systeme – all das ist im Baukasten entweder gar nicht möglich oder nur mit Workarounds, die schnell aufwendiger werden als gedacht.
WordPress mit Template
WordPress ist das meistgenutzte Content-Management-System weltweit. In Kombination mit einem professionellen Template lassen sich Websites bauen, die optisch und funktional deutlich über Baukasten-Niveau liegen. Die Kosten bewegen sich typischerweise zwischen 1.500 und 4.000 Euro für Einrichtung und Anpassung, plus laufende Wartung.
Dieser Weg passt für Unternehmen, die mehr Flexibilität wollen und bereit sind, sich mit dem System auseinanderzusetzen oder jemanden zu beauftragen, der das übernimmt. WordPress bietet Tausende Erweiterungen für fast jede Anforderung, von Kontaktformularen über Buchungssysteme bis zu mehrsprachigen Inhalten.
Der Haken: WordPress braucht Pflege. Updates für das System, das Template und die Erweiterungen müssen regelmäßig eingespielt werden. Wenn Sie oder Ihr Team das nicht übernehmen können, sollte ein Wartungsvertrag eingeplant werden.
Page-Builder
Page-Builder wie Elementor oder Divi sind Werkzeuge, die meist innerhalb von WordPress laufen. Sie erlauben es, Seiten visuell zusammenzubauen, Abschnitt für Abschnitt, ohne Code schreiben zu müssen. Technisch versierte Nutzer können damit Ergebnisse erzielen, die nah an individuellem Design liegen.
Der Nachteil: Page-Builder erzeugen oft aufgeblähten Code, der die Ladezeit der Seite verlängert. Außerdem binden sie an ein bestimmtes Werkzeug. Wer später wechseln will, muss die Inhalte in der Regel komplett neu aufbauen.
KI-generierte Websites
Seit 2024 gibt es Dienste, die per Texteingabe komplette Websites generieren: Layout, Texte, Bilder, manchmal sogar ein Logo. Das Ergebnis steht in Minuten. Für einen ersten Eindruck oder einen schnellen Prototyp kann das nützlich sein.
Für eine Unternehmenswebsite, die Vertrauen aufbauen soll, reicht das Ergebnis in der Regel nicht aus. Die generierten Texte sind generisch. Die Struktur folgt Standardmustern, die keine Rücksicht auf das jeweilige Geschäftsmodell nehmen. Und die Nachbearbeitung, die nötig ist, um aus dem Rohling eine brauchbare Seite zu machen, kostet oft mehr Zeit als ein geplanter Aufbau von Anfang an.
Individuelle Agenturleistung
Bei einer individuellen Website entwickelt eine Agentur oder ein Webdesigner das Konzept, die Struktur und die Gestaltung auf Basis der Unternehmensziele. Das beginnt mit der Frage, welche Besucher die Seite ansprechen soll und was diese Besucher tun sollen. Von dort aus entsteht ein Aufbau, der auf das jeweilige Geschäft zugeschnitten ist.
Die Kosten liegen bei 5.000 Euro aufwärts, für anspruchsvolle Projekte auch bei 10.000 oder 15.000 Euro. Was hoch klingt, relativiert sich, wenn die Website ein Vertriebswerkzeug ist. Ein Beratungsunternehmen, das über seine Website jährlich Aufträge im sechsstelligen Bereich gewinnt, bewertet eine Investition von 10.000 Euro anders als ein Verein, der Mitglieder informieren will.
Das Kostenproblem bei Templates
Templates haben einen Ruf als günstige Lösung, und in bestimmten Fällen stimmt das auch. Schwierig wird es, wenn ein Template zu 80 Prozent passt und zu 20 Prozent angepasst werden muss.
Die Navigation soll anders funktionieren. Die Startseite braucht einen anderen Aufbau. Die Kontaktseite soll mehr können als ein einfaches Formular. Jede Abweichung vom Standard bedeutet Arbeit gegen die Struktur der Vorlage. Das kostet Zeit, und Zeit kostet Geld. Ab einem bestimmten Punkt übersteigen die Anpassungskosten den Preis, den ein individuelles Design von Anfang an gekostet hätte.
Wenn Sie ein Template in Betracht ziehen, prüfen Sie vorher, ob es wirklich zu Ihren Anforderungen passt. Ein Template, das hundertprozentig funktioniert, ist eine gute Lösung. Ein Template, das gebogen werden muss, ist oft die teuerste.
Die eine Frage, die die Entscheidung vereinfacht
Soll Ihre Website informieren oder Kunden gewinnen?
Für eine reine Informationsseite, die sagt, wer das Unternehmen ist und wie man es erreicht, reicht ein Baukasten oder ein gutes Template. Die Anforderungen sind überschaubar, die Ergebnisse solide, die Kosten niedrig.
Für eine Website, die Vertrauen aufbauen, Anfragen generieren und das Unternehmen vom Wettbewerb abheben soll, braucht es mehr. Dann geht es um ein Konzept, das von den Inhalten ausgeht: Welche Fragen stellt sich ein potenzieller Kunde? Welche Informationen braucht er, um eine Anfrage zu stellen? Wie führt die Seitenstruktur ihn dorthin? Diese Fragen beantwortet kein Template automatisch.
Was Baukasten-Werbung verschweigt
Baukasten-Anbieter werben mit Sätzen wie „Ihre professionelle Website in 30 Minuten". Technisch stimmt das. In 30 Minuten steht eine Seite mit Bild, Text und Kontaktformular. Sie sieht ordentlich aus, solange man bei der Vorlage bleibt.
Gestaltung ohne Konzept ist Dekoration.
Was die Werbung nicht erwähnt: „Professionell aussehen" und „professionell funktionieren" sind zwei verschiedene Dinge. Eine Seite, die auf dem Bildschirm gut aussieht, aber keinen klaren Weg vom ersten Eindruck zur Kontaktaufnahme bietet, erfüllt ihren Zweck nur zur Hälfte. Gestaltung ohne Konzept ist Dekoration.
Das bedeutet nicht, dass Baukästen schlecht sind. Es bedeutet, dass sie ein Werkzeug sind und kein Ersatz für eine durchdachte Planung. Wer weiß, was seine Website leisten soll, kann mit einem Baukasten brauchbare Ergebnisse erzielen. Wer das nicht weiß, wird mit jedem Werkzeug Schwierigkeiten haben.
Den eigenen Bedarf einschätzen
Drei Fragen helfen Ihnen bei der Einordnung:
- Was soll die Website leisten? Eine digitale Visitenkarte hat andere Anforderungen als ein Vertriebswerkzeug. Wer Anfragen über die Website generieren will, braucht eine Struktur, die Besucher zur Kontaktaufnahme führt.
- Wer kümmert sich um die Pflege? Jede Website braucht Wartung, ob technische Updates, inhaltliche Änderungen oder Sicherheitsprüfungen. Wenn dafür in Ihrem Unternehmen niemand zuständig ist, sollte das in die Planung einfließen.
- Wie entwickelt sich das Unternehmen? Eine Website, die heute passt, muss in zwei Jahren vielleicht mehr können. Wer ein System wählt, das sich nicht erweitern lässt, steht dann vor einem Neuanfang.
Die Antworten auf diese Fragen führen in der Regel zu einer klaren Richtung. Wenn Sie alle drei Fragen mit „einfach" beantworten können, sind Sie mit einem Baukasten oder Template gut bedient. Sobald Sie bei mindestens einer Frage ins Nachdenken kommen, lohnt sich professionelle Beratung, bevor Sie ein System wählen.
Verfasst wurde dieser Artikel von Ralf Skirr. Seit mehr als 25 Jahren entwickelt er Webauftritte für mittelständische Unternehmen. Er kennt die Stärken und Grenzen von Templates, Baukästen und individuellen Lösungen aus eigener Projekterfahrung. Seine Arbeit beginnt immer mit der Frage, was eine Website für das jeweilige Unternehmen leisten soll.
Ralf ist Geschäftsführer der DigiStage GmbH, einer Agentur für digitales Marketing. Die Agentur begleitet B2B-Unternehmen von der Konzeption bis zur Umsetzung ihres Webauftritts.
Mehr über die Arbeitsweise der Agentur erfahren Sie auf internet-online-marketing.de.